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Ombudscom 2025: die harten Zahlen über Schweizer Telekom-Anbieter

Die offizielle Schweizer Schlichtungsstelle hat 2025 genau 1'650 Streitfälle behandelt, 77 Prozent mehr als im Vorjahr. Absolute Fallzahlen pro Anbieter, direkt aus dem Jahresbericht, mit dem Vorjahr daneben. Keine Schätzungen, keine Bewertungs-Magie.

1'650
Streitfälle 2025 (2024: 933)
2'801
Personen total (+ 1'151 Anfragen)
1'000
mit Anbietern durchgeführte Verfahren
+77%
mehr Fälle als 2024

Was ist die Ombudscom?

Die Stiftung ombudscom ist die offizielle, unabhängige Schlichtungsstelle für die Schweizer Telekommunikationsbranche. Sie wurde 2008 auf Basis des Fernmeldegesetzes (Art. 12c FMG) geschaffen und wird durch Gebühren der Anbieter finanziert, nicht durch den Staat oder die Anbieter direkt.

Ein Anbieter muss am Schlichtungsverfahren teilnehmen, wenn ein Kunde ein Verfahren einleitet. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Ombudscom arbeitet Schlichtungsvorschläge aus und vermittelt zwischen Kunden und Anbietern.

Wann landet ein Fall bei der Ombudscom?

Das heisst: Ein Ombudscom-Fall ist kein normaler Support-Ticket. Das ist ein eskalierter Streitfall, bei dem der interne Kundendienst des Anbieters versagt hat.

Warum zählt das als Qualitätssignal?

Trustpilot und Google sind selbstselektiert: Wer wütend ist schreibt eine 1-Stern-Rezension, wer zufrieden ist schweigt meistens. Ombudscom-Fälle sind anders:

Ombudscom-Fälle messen also nicht Zufriedenheit, sondern Service-Recovery-Versagen. Das ist ein viel schärferes Signal.

Wo wir eine Quote rechnen, und wo nicht

Swisscom 160 Fälle, Sunrise 522, Salt 290, Digital Republic 0. Ohne Kontext ist das irreführend, weil Swisscom Millionen Kunden hat und Digital Republic zehntausende. Eine Quote je 100'000 Verträge löst das, aber nur dort, wo eine belegte Vertragszahl existiert.

Das ist bei den drei Netzbetreibern der Fall, sonst nirgends: Art. 59 Abs. 2ter FMG erlaubt dem BAKOM nur die Veröffentlichung von Marktanteilen, keine Kundenzahlen einzelner Firmen. Für MVNOs und Zweitmarken wären das Schätzungen, und eine Aussage wie «4,6× besser als die Branche» auf einer Schätzung ist vorgetäuschte Präzision.

Darum zeigen wir je Anbieter nur die absoluten Zahlen aus dem offiziellen Jahresbericht und rechnen eine Quote erst dort, wo eine belegte Vertragszahl vorliegt, also auf Ebene der Netzbetreiber. Der Branchenschnitt liegt 2025 bei 8.7 Fällen je 100'000 Verträgen (1650 Fälle auf 18.9 Mio Verträge), 2024 waren es 4.9.

Alle Anbieter im Überblick, 2025 gegen 2024

Anbieter mit 0 Fällen zuerst, danach aufsteigend nach Fallzahl.

Anbieter Fälle 2025 Fälle 2024 Veränderung
Digital Republic 0 0
spusu 0 0
GGA Maur 0 1 -100%
Init7 0 2 -100%
iWay 1 1 unverändert
Teleboy 1 0 neu
SAK Digital 1 0 neu
swype 2 0 neu
Mucho 3 0 neu
Galaxus Mobile 4 0 neu
Quickline 4 3 +33%
Lidl Connect 5 2 +150%
Post Mobile 8 1 +700%
Lycamobile 9 5 +80%
Aldi Mobile 14 9 +56%
Coop Mobile 18 4 +350%
GoMo 21 8 +163%
Lebara 24 6 +300%
Wingo 34 29 +17%
Migros Mobile 38 19 +100%
TalkTalk 40 13 +208%
Swisscom 160 101 +58%
yallo 241 62 +289%
Salt 290 145 +100%
Sunrise 522 262 +99%

In dieser Tabelle stehen bewusst nur absolute Fallzahlen. Eine Quote je Anbieter setzt eine belegte Vertragszahl voraus, und die gibt es ausserhalb der drei Netzbetreiber nicht: Art. 59 Abs. 2ter FMG erlaubt dem BAKOM nur die Veröffentlichung von Marktanteilen, nicht von Kundenzahlen einzelner Firmen. Geschätzte Zahlen verwenden wir für Quoten nicht. Die Schlichtungsstelle schreibt selbst, aus ihrer Statistik liessen sich kaum qualitative Aussagen ableiten, weil der Bezug zur Zahl der Kundenverträge fehlt, und verweist dafür auf das BAKOM. Genau diesen Bezug stellt der nächste Abschnitt her.

Fälle pro 100'000 Kundinnen und Kunden

Absolute Zahlen benachteiligen grosse Anbieter. Swisscom hat mehr Fälle als Digital Republic, aber auch hundertmal mehr Kunden. Die Schlichtungsstelle schreibt selbst, aus ihrer Statistik liessen sich kaum qualitative Aussagen ableiten, weil der Bezug zur Kundenzahl fehlt.

Diesen Bezug stellen wir her, und zwar nur dort, wo er sich belegen lässt. Das BAKOM veröffentlicht in der Fernmeldestatistik die Marktanteile der drei Netzbetreiber. Einzelne Kundenzahlen der Zweitmarken gibt es nicht, sie sind Geschäftsgeheimnis. Praktischerweise führt die Schlichtungsstelle die Zweitmarken unter ihrem Netzbetreiber, also genau so, wie das BAKOM die Anteile abgrenzt. Beide Seiten passen zusammen, ohne dass wir etwas schätzen müssen.

Gezählt wird gegen Verträge, nicht gegen Mobilfunkkunden. Die Schlichtungsstelle ist für alle Fernmeldedienste zuständig, also auch für Festnetz und Internet, und schlüsselt ihre Fälle nicht nach Dienstart auf. Wer solche Fälle allein durch Mobilfunkkunden teilt, bestraft jeden Anbieter, dessen Geschäft am Festnetz hängt. Der Nenner ist deshalb die Summe aus Mobilfunk, Breitband und Festnetz. Solange handyabo.com nur Handy-Abos verglich, war ein Mobilfunk-Nenner die einzige verfügbare Bezugsgrösse. Seit dem Internetvergleich führen wir Breitband- und Festnetzzahlen ohnehin, und seit dem 30. August 2026 rechnen wir deshalb gegen alle Verträge.

Netz Fälle 2025 Verträge je 100'000 gegen Branchenmittel Vorjahr
Swisscom
Swisscom 160, Migros Mobile 38, Wingo 34, Coop Mobile 18
250 9.43 Mio 2.7 69 % darunter 1.6 (67 % darunter)
Salt
Salt 290, GoMo 21, Post Mobile 8, Lidl Connect 5
324 2.61 Mio 12.4 43 % darüber 6.0 (22 % darüber)
Sunrise
Sunrise 522, yallo 241, Sunrise GmbH (UPC) 36, Lebara 24, Aldi Mobile 14, swype 2, Sunrise GmbH (CHmobile) 1
840 4.91 Mio 17.1 97 % darüber 8.6 (76 % darüber)
Alle übrigen zusammen
gegen die BAKOM-Sammelposition «Andere»
63 1.93 Mio 3.3 62 % darunter 1.3 (73 % darunter)

Zähler: Fälle 2025 aus dem Jahresbericht. Nenner: ombudscom Jahresbericht 2025, Nenner BAKOM Fernmeldestatistik Stand 31.12.2024, also 18.9 Mio Verträge aus Mobilfunk, Breitband und Festnetz, verteilt nach Marktanteil. Der Branchenschnitt liegt 2025 bei 8.7 Fällen je 100'000 Verträgen, 2024 waren es 4.9. Beide Jahre rechnen gegen denselben Nenner, die Veränderung kommt also allein aus den Fällen. Das BAKOM veröffentlicht die Anteile mit einem Jahr Verzug. Die Zeile «alle übrigen» ist eine Untergrenze: der Nenner enthält die volle Sammelposition, der Zähler nur die von uns geführten Anbieter.

Welche Marke trägt wie viel bei?

Die Schlichtungsstelle führt die Zweitmarken getrennt aus, yallo also unter Sunrise, Wingo unter Swisscom, GoMo unter Salt. Wie viele Fälle eine Marke zu ihrem Konzern beisteuert, ist damit eine harte Zahl.

MarkeFälle 2025Anteil an den Konzernfällen
Swisscom-Konzern · 250 Fälle, davon:
Swisscom Hauptmarke 160 64 %
Migros Mobile 38 15.2 %
Wingo 34 13.6 %
Coop Mobile 18 7.2 %
Salt-Konzern · 324 Fälle, davon:
Salt Hauptmarke 290 89.5 %
GoMo 21 6.5 %
Post Mobile 8 2.5 %
Lidl Connect 5 1.5 %
Sunrise-Konzern · 840 Fälle, davon:
Sunrise Hauptmarke 522 62.1 %
yallo 241 28.7 %
Sunrise GmbH (UPC) 36 4.3 %
Lebara 24 2.9 %
Aldi Mobile 14 1.7 %
swype 2 0.2 %
Sunrise GmbH (CHmobile) 1 0.1 %

Ob eine Zweitmarke über oder unter dem Branchenmittel liegt, lässt sich nicht sagen, und wir schätzen es auch nicht. Dafür bräuchte es ihre Kundenzahl, und die veröffentlicht niemand: Art. 59 Abs. 2ter FMG erlaubt dem BAKOM nur Marktanteile. Hier stehen deshalb nur die absoluten Zahlen.

Auffällig ist der Anteil von yallo: 28,7 Prozent aller Fälle des Sunrise-Konzerns entfallen auf eine einzelne Zweitmarke. Und dass es nicht «die Discounter von Sunrise» sind, zeigt der Vergleich: bei Swisscom machen die Zweitmarken 36,0 Prozent der Konzernfälle aus, bei Sunrise 37,9 Prozent.

Wichtige Einschränkungen

Quelle

Stiftung ombudscom, Schlichtungsstelle Telekommunikation

Jahresbericht 2025 (offiziell, öffentlich), Anhang 3.5, veröffentlicht nach Art. 48 Abs. 4bis FDV. Bern, Spitalgasse 14. Abgerufen am 30.08.2026.

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